San-Remo-Straße 6 – sie lebt

San-Remo-Straße 6. Wer hier verkehrte, spürte einen Feinsinn und Freigeist, der sich dem Gewöhnlichen gegenüberstellte. In diesem Haus begegneten sich Menschen in einnehmender Salonkultur, um über das Leben zu debattieren, über Kunst und Philosophie, über Politik und Geschichte. Hier vereinten sich Offenheit für Neues und Verständnis für das Andere. Wahrhaftig ein inspirierender Ort der Düsseldorfer Stadtgesellschaft.

Die Gastgeber waren Sigrid Kopfermann und Dr. Otto Fuhrmann.

Sie: die weltgereiste und nur in ihren Bildern laute Künstlerin.
Er: der präzise Jurist, Finanzexperte und Kommunalpolitiker, ein belesener Fachmann für Kunst und Geschichte.
Sie: die Vertreterin der Moderne.
Er: der Sammler von Antiquitäten, vor allem des 17. und 18. Jahrhunderts.

Pulsierender könnte eine Beziehung wohl kaum sein. Ihre herausfordernde Gegensätzlichkeit bildete den Resonanzraum für das Bürgerhaus in Oberkassel.

Die Gastgeber leben nicht mehr. Aber das Haus bewahrt ihr Leben. Er starb 1994, sie im Juni 2011. Haus und Vermögen des Paares wurden bereits 2003 in die Kopfermann-Fuhrmann Stiftung eingebracht.

In 2014/2015 haben die Stiftungserben den nur äußerlich braven Sandsteinbau von 1954 gründlich saniert. Das „Barockschlösschen“, von Otto Fuhrmann einst mit kostbaren Antiquitäten herrschaftlich eingerichtet, erlebt nun seine Wandlung zu einer hell offenen Galerie – die Bühne für Kunstausstellungen.

Vom Erdgeschoss führt eine alte Kölner Treppe aus dem 18. Jahrhundert zur ehemaligen Wohnung des Paares in der Beletage. Hier wurden Wände herausgenommen und neu gesetzt, um eine Galerie für den Kunstrundgang zu schaffen.

Diese Veränderungen verdrängen aber nicht die Seele der Vergangenheit, weil das alte Kassettenparkett, die Sprossenfenster und die marmornen Fensterbänke deutlich das frühere Leben betonen.

Genau aus diesem Grund hat sich die Stiftung ganz bewusst dafür entschieden, zwei historisierende Stildifferenzen in der großzügigen Raumaufteilung zu bewahren: Den Barockkamin aus rosa Marmor und die gewaltige Eichen-Flügeltür aus dem 17. Jahrhundert, die Otto Fuhrmann noch im Rohbau in die erste Etage einsetzen ließ.

Bewahrt wurde auch das sogenannte Fuhrmann-Zimmer: eine erlebbare Schatzkammer und Hommage an den versierten Kunstliebhaber. Als würde sich Otto Fuhrmann gleich mit einer Havanna in seinem Sessel niederlassen, hatte noch Sigrid Kopfermann das Zimmer mit seinen schönsten Sammlerstücken ausgestattet: mit Orientteppichen, Gemälden alter Meister und barocken Möbeln.

Mit all diesem Bewahren und Verändern hat die Stiftung ansehnliche Voraussetzungen geschaffen, um den Willen von Sigrid Kopfermann zu erfüllen. Kunst öffentlich zu machen! So werden hier nicht nur die Werke der Stifterin gezeigt, sondern auch die ihrer alten Malerfreunde und junger Künstler.

Diese wechselnden Ausstellungen und die begleitenden kulturellen Veranstaltungen lassen die San-Remo-Straße 6 auch künftig das Bürgerhaus der Begegnung sein, zu dem es das charismatische Paar einst gemacht hatte.
Seinen ganz eigenen Beitrag zum kulturellen Leben trägt auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein Oberkassel bei, der nach dem Wunsch von Sigrid Kopfermann die Räume im Erdgeschoss des Stiftungshauses nutzt und sich seit über hundert Jahren für den linksrheinischen Stadtteil stark macht.

Gestern – heute – morgen, in der San-Remo-Straße 6 lebt die Kunst.

„Und noch schöner wäre es, wenn Menschen in diesen Räumen feiern würden. Man säße dann unter diesen Bildern in diesem wunderbaren Düsseldorf Bürgerhaus“, schrieb Sigrid Kopfermann bereits viele Jahre vor ihrem Tod.

Besuchen Sie dieses Haus, es lebt mit Ihnen weiter.

Esther Schulhoff-Wilmes
Vorsitzende des Kuratoriums der
Kopfermann-Fuhrmann Stiftung

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